Herbert Grönemeyer

Support: Clueso

09.06.2007 (Arena, Gelsenkirchen)

Puh, grade frisch aus Schottland zurück und schon geht es weiter in die Weltstadt Gelsenkirchen, zum Konzert von Herbert Grönemeyer. :)

Wir kamen gegen 16 Uhr auf dem Parkplatz der Arena an. Bevor wir uns in eine der Warteschlangen einreihten, nutzten wir noch schnell die spärlich gesähten Dixis vor der Halle. Die Warteschlange, die unserem Parkplatz am nächsten war, erwies sich als länger als erwartet. Sie war nämlich an einer Stelle geteilt worden, um einen Durchgangsweg frei zu halten und ging danach noch ein ganzes Stück weiter. Wir suchten uns eine andere Schlange, die einen Tick kürzer und deren Eingang hoffentlich auch etwas näher an der Bühne war. Auch hier erschien nach einiger Zeit ein Ordner, der die Schlange teilen wollte, um einen Weg frei zu halten. Er machte allerdings einen entscheidenden Fehler. Er sagt: „Alle die schon auf dem Boden sitzen, können sitzen bleiben, alle anderen gehen bitte ein Stück zurück.“ Plötzlich saßen fast alle auf dem Boden und der Ordner war ein wenig säuerlich. :D

Ziemlich pünktlich um 17 Uhr begann der Einlass. Es ging zügig voran und nach einem kleinen Sprint quer durch die Halle, betraten wir auch schon den Bereich vor dem Wellenbrecher. Dort machten wir es uns 2 Stunden lang auf dem Boden gemütlich, bevor um 19 Uhr die Vorband loslegte. Dabei handelte es sich um Clueso, den ich von einem Bundesvision Song Contest noch ganz vage als Rapper in Erinnerung hatte. So schlimm war es aber dann doch nicht. ;) Er hat eigentlich mehr gesungen als gerappt und seine Band hat sehr angenehm relaxte, groovige Musik dazu gespielt. Der eine oder andere Reagge war auch dabei. Hat mir eigentlich sehr gut gefallen und hat die 40 Minuten bis zur Umbaupause gut überbrückt.

Die Pause ging dann extrem fix vorüber, es schwärmten auf einmal rund 30 Leute auf die Bühne und nach 10 Minuten war alles bereit für Herbert. Trotzdem mussten wir uns noch etwas länger gedulden. Gegen 20:10 Uhr gab es noch einen kleinen Werbeblock, vor allem für die Aktion „Deine Stimme gegen Armut“. Werbung vor einem Konzert? Eigentlich seltsam, aber in dem Fall okay.

Dann fiel der erste Vorhang und das Wort „ZWLF“ wurde sichtbar. Gegen 20:20 erschien in der Mitte noch ein „Ö“ in Form einer Uhr, die fünf vor zwölf zeigte und stetig weiter rückte. Punkt „12“ erschien Herbert auf der Bühne und begrüßte die Fans. Wir standen ungefähr in der zehnten Reihe, direkt im Knick zwischen Bühne und dem Steg ins Publikum, hatten also perfekte Sicht auf die Band. Herbert wanderte allerdings erst einmal den Steg ins Publikum entlang, der viel länger war, als wir erwartet hatten. Kurz bevor er die Halle am anderen Ende verließ (so kam es uns zumindest vor), nahm er an einem Piano Platz. Von dort eröffnete er das Konzert mit „Leb in meiner Welt“. Auch wenn wir ihn nur aus der Ferne und von hinten sehen konnten, auf der Bühne war er auf der großen Leinwand hinter der Band in einer gezeichneten Sonne sichtbar.

Überhaupt wurde die Leinwand für verschiedene Effekte, Spielereien und Filmchen genutzt. Bei „Alkohol“ wurden die Kameras wild geschwenkt und es war nur noch ein verwackelte Farbenmeer zu sehen. Bei „Ohne dich“ brannte auf der Leinwand eine Zündschnur ab, die genau abgestimmt auf die Länge des Liedes. Zu „Männer“ gab es Herbert zu sehen, in verschiedensten Kostümen vom Ober bis zum englischen Gentleman. Zum Schluss sogar als Frau verkleidet. Bei „Flugzeuge im Bauch“, das uns als ein Lied für alle Techniker vom Flughafen Dortmund angekündigt wurde, sah man Herbert im Knast sitzen, wie er die Tage zählte und eine Strichliste in die Wand ritzte. Zum Ende faltete er einen Papierflieger und warf ihn durch das Gitterfenster. Bei „Der Weg“ waren grüne Hügel zu sehen mit einer einsam Straße (nein, nicht Schottland) und im Laufe des Liedes wanderte ein weiß gekleideter Herbert vom Horizont heran und lief schließlich vorne aus dem Bild heraus. Bei „Liebe liegt nicht“ war ein roter Vorhang zu sehen, der zur Seite fuhr und den Blick auf einen ganzen (virtuellen) Chor freigab, der kräftig mitsang. Zu „Bochum“ gab's das klassische „Glück auf“ Intro, bei „Marlene“ war die ganze Bühne in oranges Licht getaucht. Bei „Zeit, dass sich was dreht“ durfte einer der Schlagzeuger, offensichtlich afrikanischer Abstammung, einen Teil mitsingen und natürlich war auch das Publikum kräftig dabei.

Viel hat er gespielt, der Herbert, zum Beispiel „Mensch“, „Zum Meer“, „Demo (Letzter Tag)“, „Stück vom Himmel“, „Kopf hoch, tanzen“, „Du bist die“, „Ich versteh“, „Spur“, „Bleibt alles anders“, „Musik nur wenn sie laut ist“, „Selbstmitleid“, „Was soll das?“ und „Halt mich“. Das ganze zerlegt in einen Hauptblock und 3 Zugaben.

Eine davon wurde mit einem kleinen akustischen „Land unter“ an der Spitze des Laufstegs eingeleitet. Sogar „Currywurst“ hat er für uns gespielt, obwohl er fast den Text vergessen hätte. :)

Als letztes Lied gab es „Zur Nacht“, mit funkeldenm Sternenhimmel auf der Leinwand und ein paar riesigen aufblasbaren Sternen. Kitschig, schön. :)

Herbert war sichtlich gut gelaunt und hatte scheinbar viel Spaß an diesem Abend. Am Anfang trug er noch eine schwarze Jacke, die ihm aber schnell zu warm wurde und die er dann gegen einen schwarzen Pullover tauschte. Na, ob das kühler war? :D

Um ein paar Sprüche war er auch nicht verlegen: „Dieser Mikorfonständer ist offenbar für kleinere Sänger gedacht. Aber ich bin ein erfahrener Musiker, ich weiß wie man ihn verstellt. Und weil ich schon seit vielen Jahren im Geschäft bin, kann ich auch noch Gitarre spielen. Ich mache es nur nicht so häufig, damit meine Band nicht eifersüchtig wird. Aber es kommt extrem gut an bei den Frauen.“ :D Nachdem er sich selbst auf der Leinwand gesehen hatte rief er nur „Oh Gott, wie seh ich denn heute aus?“ :D Den sexy Hüftschwung sollte er vielleicht doch lieber Shakira überlassen, aber eigentlich waren seine Tanzeinlagen wieder sehr unterhaltsam. ;) Nur die Luft auf der Bühne war wohl nicht so toll, er hat sich öfter beschwert, dass es sehr stickig sei. Im Publikum war es eigentlich okay, aber vielleicht haben wir auch beim kräftigen Mitklatschen die Luft genug in Bewegung versetzt.

Die Stimmung in der Halle war einfach gigantisch, die ganze Atmosphäre wunderbar, einfach Gänsehaut. Sogar nach dem Ende des Konzerts, beim Verlassen der Halle, sangen alle noch lange „Zeit, dass sich was dreht“ vor sich hin. Das habe ich auch noch nie erlebt, dass das Publikum singend die Halle verlässt. Ein schönes Ende für einen wunderschönen Abend.

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