Feuertal Festival

Saltatio Mortis, Letzte Instanz, Schelmish, Schandmaul

25.08.2007 (Wuppertal, Waldbühne)

An diesem Wochenende war es mal wieder Zeit für ein richtig schönes Mittelalterfestival. Ort des Geschehens in diesem Jahr, die Waldbühne im Herzen von Wuppertal.

Die Anreise gestaltete sich recht interessant. Um Köln herum war es an diesem Tag ziemlich diesig. Die Sicht betrug vielleicht ein oder zwei Kilometer. Wenn man direkt nach oben sah, blickte man allerdings in einen blauen Himmel. Und so sollte das Wetter zum Glück auch für den Rest des Tages bleiben. :)

Je näher ich Wuppertal kam, desto bergiger wurde die Landschaft rund um die Autobahn. Eigentlich eine schöne Ecke. Etwas irritiert war ich von einer Fussgängerbrücke, die die Autobahn überspannte. Saltatio Mortis Dort querten nämliche keine Fußgänger von der einen Seite auf die andere, sondern Kühe! :D Naja, auch die gehen wohl gerne mal Spazieren. ;)

Kurz vor Wuppertal lief ich dann auf ein Stauende. Zum Glück war eine Abfahrt in der Nähe. Meine Wegbeschreibung wollte zwar eigentlich, dass ich noch eine Abfahrt weiter fuhr, aber laut meinem Stadtplan sollte es auch so gehen. Also bog ich kurz entschlossen ab und arbeitete mich bis in die Nähe der Waldbühne vor. Dort geriet ich dann irgendwie in das Labyrinth der Einbahnstrassen, was mir aber eigentlich ganz recht war. Auf dem nächtsbesten freien Parkplatz hielt ich an und warf einen prüfenden Blick auf die Karte. Ja, das sollte eine akzeptable Entfernung sein, von hier könnte ich laufen und mir weiteres Parkplatzsuchen ersparen. Schließlich hatte ich schon im Vorfeld gehört, dass die Parkplatzsituation in unmittelbarer Nähe der Waldbühne eher mäßig ist.

Meine Einschätzung erwies sich als richtig und schon nach zehn Minuten stand ich vor dem Eingang der Waldbühne. Jetzt hieß es erstmal warten, denn meine Eintrittskarte hatten ein paar Freunde von mir besorgt und auch die hatten noch mit Stau und Straßenlabyrinth zu kämpfen.

Gegen 15:45 Uhr betraten wir dann das Festival Gelände. Das bestand zunächst einmal aus einem kleinen Mittelaltermarkt. Die dargeboten Speisen, zum Beispiel das Knoblauchbrot, sahen sehr lecker aus. Und bei den Schmuckständen hätte ich bestimmt wieder viel Geld lassen können. Gerade die Holzschnitzereien und die silbernen Anhänger gefielen mir sehr gut. Zum Glück sollte schon um 16 Uhr die erste Band anfangen und mir blieb nicht mehr genug Zeit um ausführlich zu stöbern. Mein Portmonee hat es mir gedankt.

Saltatio Mortis

Los ging es mit Saltatio Mortis, die ich noch von diversen Festivals in Erinnerung hatte. Damals™ mochte ich sie nicht so sehr. Ich fand die Musiker ein wenig seltsam, in der Musik waren mir zu viele elektronische Elemente und die Stimme des Sängers klang ein wenig dünn. Aber ich wurde äußerst positiv überrascht. Die Technoelemente waren komplett verschwunden, stattdessen tobten die Jungs teilweise gleich mit mehreren E-Gitarren über die Bühne und die Dudelsäcke und Tröten kamen sehr kraftvoll und melodisch daher. Auch der Sänger hat scheinbar stark an sich gearbeitet, seine Stimme klang etwas rauer und viel kräftiger als früher. Respekt!

Auch das Publikum hatte seine Spaß hat heftig mitgeklatscht, gehüpft und gesungen. Obwohl es die erste Band des Tages war, war die Stimmung schon nach kürzester Zeit extrem gut und sollte es auch für den Rest des Tages bleiben.

Saltatio Mortis

Leider kenne ich die Lieder von Saltatio Mortis nicht besonders gut, aber einige Titel sind mir im Gedächtnis geblieben. Dabei waren auch schon ein paar Stücke ihrer neuen CD, die eine Woche später erscheinen sollte. Also, mit ziemlicher Sicherheit gespielt haben sie „Spielmannsschwur“, „Tritt ein“, „Keines Herren Knecht“, „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ und „Licht und Schatten“.

Schön waren auch die kleinen Ansagen zwischen den Liedern. Diesmal garnicht mittelalterlich, sondern ein paar kurze Sätze aus dem richtigen Leben. Zum Beispiel die Geschichte von dem Musiker, der im Mineralwasserrausch im Proberaum nackt auf dem Billiardtisch tanzte und rief: „Uns gehört die Welt!“

Diese Band hat sich wirklich sehr verbessert und mir hat sie viel Spaß gemacht.

Danach folgte die erste Umbaupause und viele Leute strebten zurück zum Mittelaltermarkt um für das leibliche Wohl zu sorgen. Ich nutze die Chance mich vom hinteren Rand des Publikums in die sechste Reihe vorzuarbeiten. Jetzt stand ich schön mittig und schön nah an der Bühne.

Die ganze Anlage war übrigens sehr schön. Die Bühne stand in einem kleinen Talkessel. Links erhob sich eine steile Felswand, rechts ein steiler Erdhang. Alles war sehr schön mit Bäumen und Sträuchern bewachsen. Sehr viel grün, sehr viel Natur. Das perfekte Ambiente für diese Musik.

Die Sicht auf die Bühne war eigentlich von überall sehr gut. Der Boden im Zuschauerbereich bestand aus sehr, sehr breiten Stufen und fiel zur Bühne hin sanft ab. Sehr angenehm. Nur vielleicht für ein Punkkonzert mit viel Pogo eher weniger geeignet. :D

Letzte Instanz

Die zweite Band war die „Letzte Instanz“ und sie haben uns sehr viele Lieder von ihren beiden neusten Alben präsentiert. Los ging es mit dem ersten Track der aktuellen CD: „Du und ich“. Die Band war wirklich in bester Laune, Letzte Instanz ich glaube ich habe den Mann am Cello und den Mann an der Geige noch nie so viel lachen gesehen. :)

Gespielt haben sie „Sturmvogel“, „Und das Meer...“, „Sonne“, „Tanz“, „Mein Todestag“, „Das schönste Lied der Welt“ und „Unerreicht“. Zwischendurch gab es auch ein paar kritische Worte zu der Gegenveranstaltung, die zur gleichen Zeit in Essen lief. Aber das Publikum hat dann wenigstens ein freundliches „Uzz uzz uzz“ zur Love Parade geschickt. :D Und danach hieß es dann „Tja, lieber Dr. Motte, es tut uns leid, aber wir feiern heute 'Ohne dich'!“ ;)

Nebenbei erzählte uns der Sänger von der langjährigen Freundschaft zwischen der Letzten Instanz und Schandmaul (seit fünfundvierzig Jahren) und dies sei ja ihr zwei tausendstes Konzert zusammen. Und deswegen durften sie sich für „Wir sind allein“ auch mal kurz die beiden Mädels ausleihen. Und auch das Publikum hat kräftig mitgefeiert.

Der „neue“ Sänger ist ja wirklich ein Glücksgriff für die Instanz. Er hat eine wirklich gute und ausdrucksstarke Stimme und er hat sehr viel Charisma. Die Lieder kommen einfach sehr gut rüber. Welchen Stimmumfang er hat, hat er dann mit „The Lion sleeps tonight“ bewiesen, mit dem er das Publikum zum mitsingen animieren wollte. Klappte bei den Männern nur sehr schlecht und bei den Frauen auch nur sehr mäßig. :D Dafür haben wir bei „Das Stimmlein“ schon nach den ersten zwei Worten so kräftig mitgesungen, dass er meinte, er könne eigentlich schonmal nach Hause gehen. :D

Zum Abschluss gab es noch „Rapunzel“, auch diesmal wieder mit einem etwas anderen Mittelteil. Plötzlich schwenkten sie nämlich zu „I was made for loving you“ über, was ihnen sehr gut gelungen ist. Und für's Publikum hat der Geiger freundlicherweise Texttafeln hochgehalten. Besonders wichtig die erste mit „Du du du“-Text :D Über ein paar Takte aus „Eye of the tiger“ sind sie dann wieder zu „Rapunzel“ zurück gekehrt.

Letzte Instanz

Fazit: Eine sehr gut aufgelegte Instanz, klasse Musik, klasse Sound und ein immer noch perfekt aufgelegtes Publikum. Ich persönlich hätte mir nur ein paar mehr alte Lieder gewünscht, „Kalter Glanz“ hab ich schon etwas vermisst. Aber egal, für die Kürze der Zeit war die Setlist sehr schön.


Letzte Instanz

Die dritte Band hab ich vor vielen Ewigkeiten zum ersten Mal als Vorband von Schandmaul gesehen. Sie sind eigentlich Schuld daran, dass ich angefangen habe „reine“ Mittelalterbands wie Corvus Corax zu hören. Tja, und was machen sie jetzt? Sie spielen Rock! :D Die aktuelle CD mit ihren Rocksongs habe ich ja schon was länger, live habe ich sie bisher aber immer nur mit ihrem Mittelalterset gesehen. Das war also erstmal eine Umstellung, als sie mit E-Gitarren bewaffnet auf die Bühne stürmten. Und Dextro mit seinem zerknautschten Lederzylinder und der roten E-Gitarre, die unter seinem großen Bauch irgendwie winzig wirkte, sah ein wenig wie eine groteske Parodie von Slash aus. :D


Schelmish

Aber nach der ersten Überraschung hat es mir dann richtig Spaß gemacht. :) Und mir „Freigang“ hatten sie auch den perfekten Opener für ihren Auftritt parat. Gespielt haben sie viel von ihrem Rockprojekt und auch einige Sachen von der neuen CD, die im Herbst erscheinen soll. Aber auch ein paar alte Mittelalterstücke waren dabei. Eigentlich eine gute Mischung. Unter anderem waren dabei: „Caput Draconis“, „Der letzte Kuss“, „Die Marionette“, „Tanz mit mir“, „Mente capti“, „Der Narr“, „Kreuzzug gegen die Verlogenheit“ und „Das Moor“.


Schelmish

Die Jungs waren gut drauf und das Mädel hatte sowieso ein Dauergrinsen im Gesicht. Ihre üblichen Zoten und langen Ansagen haben sie auf ein Minimum gekürzt, um möglichst viel Musik spielen zu können. Nur Luzi konnte sich mal wieder nicht zurück halten und mußte uns zu „Rotta“ unbedingt einen erotischen Tanz und seine rosa Unterhose präsentieren. Und den Kuh-Stringtanga, den er darunter trug und der sogar richtig „Muh!“ machen konnte. :D Sehr stilvoll. Dagegen wirkten die neonorangen Bauarbeiterhosen des Bassisten etwas deplaziert, schließlich waren alle anderen mehr oder weniger gewandet. Aber wer achtet schon auf solche Äußerlichkeiten.

Schelmish

Zum Abschluss gab es noch „Herr Niemand“, einem Herrn von der Presse gewidmet. Von diesem Lied hab ich aber nur noch die Hälfte mitbekommen, da ich unbedingt vor der Umbaupause schnell ein Getränk und einen heißen Hund beschaffen wollte. Und mir dann für Schandmaul wieder einen guten Platz sichern. ;)


Schelmish

Insgesamt haben mir die Schelme auch mit ihren Rocksongs gut gefallen. Vom Stil her sollten alle Fans von In Extremo und Tanzwut durchaus mal ein Ohr riskieren.

Die letzte Band des Abends war Schandmaul und sie legten direkt los mit „Vor der Schlacht“. Ein sehr schöner Einstieg in das Konzert. :) Schandmaul habe ich ja in den letzten Jahren recht häufig gesehen und sie sind sehr professionell und liefern eigentlich immer eine gute Show ab. So auch diesmal. Die Songauswahl hat mir diesmal sehr gut gespielt, die ganz depressiven Sachen haben sie endlich mal wieder weg gelassen. ;)


Schandmaul

Dabei waren diesmal „Narrenkönig“, „Walpurgisnacht“, „Das Seemanngsgrab“, „Vogelfrei“, „Der Hofnar“, „Kein Weg zu weit“, „Herren der Winde“, „Teufelsweib“, „Leb!“, „Drachentöter“, „Tyrann“, „Der Schatz“, „Das Tuch“, „Sichelmond“ und „Lichtblick“.Viel Spaß gemacht hat mir auch „Mitgift“ und besonders passend zum Feuertal Festival war natürlich der „Feuertanz“.

Als Thomas zum ersten Mal seine Wasserflasche zückte wurden im Publikum rufe laut. Die Meute schien Durst zu haben. Thomas murmelte nur etwas von „Bei dem Futterneid bleibt einem ja das Wasser im Halse stecken.“ und warf die Flasche in die Menge. Tja, das war wohl ein Fehler, denn jetzt wurde er jedesmal angebettelt, wenn er wieder eine Flasche in der Hand hatte. Irgendwann hieß es dann nur noch betont ironisch „Sollen wir weiterspielen, oder wollt ihr erst noch was trinken?“ Und gegen Ende dann „Die nächste Flasche kostet dann 2,70 €.“ :D

Er hatte auch ein rotes Handtuch dabei, mit dem er sich immer mal wieder den Schweiß abwischte. Und erzählte es, wie ihm dieses Handtuch einmal das Leben gerettet hat, damals, als er eingesperrt war, da fand er den Ausgang mit Hilfe des Handtuchs. Bei diesen Worten legte er sich das Handtuch komplett über den Kopf und sagte durch das Handtuch hindurch „Die Tür in mir“. Schweigen im Publikum. „Okay, ich weiß, der Witz war scheiße.“ :D

Schandmaul

Als kleinen Stimmungstest hat er zwischendurch auch mal „Wir sind allein“ von der Letzten Instanz angestimmt. Jaja, wie bereits gesagt, die beiden Bands kennen sich seit Ewigkeiten. ;)

Ich hatte hin und wieder leider das Gefühl, dass der Sound ein wenig unausgewogen war, einige Instrumente gingen ein wenig unter, kann aber auch sein, dass ich einfach etwas zu weit links stand. Außerdem hatte ich manchmal das Gefühl eine Trompete zu hören, aber das war wohl nur eine besondere Klangfarbe der E-Geige. ;)

Das Fotografieren wurde mit zunehmender Dunkelheit immer schwieriger, zumal die Band meistens von hinten und unten angestrahlt wurde. Aber ich denke ich hab noch ein paar sehr schöne Lichtstimmungen erwischt.

Schandmaul

Das Publikum war natürlich immer noch sehr gut drauf, die Band ebenfalls und das Konzert hat einfach Spaß gemacht. Damit ging dann auch leider schon ein grandioses Festival zu Ende.

Fazit: Eine wunderschöne Location, das passende Wetter, vier Top Bands und ein Publikum in einmaliger Partystimmung. So muss es sein! :)

Schandmaul

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