Subway to Sally

25.04.2006 (Christuskirche, Bochum)

Beim Subway Konzert im Dezember habe ich zum ersten Mal die Plakate für die kommende Unplugged Tour gesehen und mir war sofort klar: „Da muss ich hin!“ Leider war das Konzert in Köln bereits ausverkauft, als ich mich um Karten bemüht habe. Aber wenn ich mir Erics Tourtagebuch ansehe war die Location wohl auch nicht ganz ideal. Da hab ich wohl Glück gehabt, denn die Christuskirche in Bochum war sehr schön.

Bei der Anreise hab ich lange überlegt, ob ich nur einen Teil der Strecke mit dem Wagen fahre und irgendwo ausserhalb parke, schließlich steht die Kirche mitten in der Innenstadt. Wer weiß schon, ob man da einen Parkplatz findet. Okay, es gibt Parkhäuser, aber die haben die dumme Angewohnheit irgendwann zu schließen und wenn die Subways so lange spielen, wie Eric bei seinen Solokonzerten, dann könnte das ein Problem sein. Letztendlich bin ich doch mit dem Auto gefahren und hatte tatsächlich Glück. In einer kleinen Nebenstaße, nur 5 Minuten Fußweg von der Kirche entfernt, fand ich einen kostenlosen Parkplatz.

Die Schlange vor der Kirche war schon recht ordentlich, aber eigentlich noch ganz überschaubar. Also entschied ich mich, meinem Hunger nachzugeben und noch einen kleinen Snack zu holen. Leichter gesagt als getan, scheinbar schlossen sämtliche Bäckereien und Trinkhallen spätestens um 18:30 Uhr. Mitten in der Einkaufszone wurde ich dann doch noch fündig und gönnte mir ein Müslibrötchen und ein kleines Getränk.

Zurück an der Christuskirche hatte sich die Schlange bereits verdoppelt, aber ich fand 2 Freunde von mir, die nur 2/3 des Weges vom Eingang entfernt standen und mich mit in die Schlange aufnahmen. Der Einlass begann recht pünktlich. An den Securities vorbei gelangten wir in einen Vorraum, in dem der Merchandising Stand und eine kleine Theke mit Getränken aufgebaut waren. Am Eingang zur eigentlichen Kirche wurden dann die Karten kontrolliert und die Zuschauer gestempelt.

Drinnen war's recht düster, die Mosaikfenster waren alle recht klein und dunkel gehalten. An den Wänden zwischen den Fenstern waren Plakate für weitere Konzerte in der Matrix aufgehängt. Wirkte ein wenig setlsam, aber nun gut. Der Raum war sehr groß und die Kirchenbänke so ungefähr zur Hälfte gefüllt. Wir haben uns im hinteren Drittel realtiv mittig niedergelassen. Von hier hatten wir eine ziemlich gute Sicht. Die Bühne war mit grünem Efeu geschmückt, der Backdrop zeigte ein paar aufgemalte Kirchenfenster. Wäre ja eigentlich garnicht nötig gewesen, aber es rundete die Bühne sehr schön ab. Die hinteren Musiker (Bass, Schlagzeug, Geige, Cello) standen später alle etwas erhöht. Eric saß in der Mitte. Tja, aber bis zum Konzertbeginn sollte es noch eine ganze Weile dauern, genug Zeit noch einmal die sanitären Anlagen zu begutachten und ein T-Shirt zu kaufen.

Um 20:20 Uhr gab es dann ein „Böses Erwachen“, als die Musiker die Bühne betraten. Passend zur Örtlichkeit folgte „Kruzifix“. Mit „Ein Baum“ blieben wir erstmal bei den älteren Stücken und bereits bei „Horo“ sprang das Publikum auf und blieb größtenteils auch bis zum Ende des Konzerts stehen. Teilweise lauschten sie andächtig, teilweise tanzten sie und schleuderten die Haare, wie es diese Kirche wohl eher selten zu sehen bekommt.

Bei „Der Hofnarr“ ließ Eric das Publikum den Refrain noch ein paarmal singen und schwärmte von der tollen Akustik. „Das ist ein sogenannter Siebenfacher Hall.“ ;) Natürlich folgte dann auch „Sieben“. „Das Rätsel II“ hat er zusammen mit dem Publikum geknackt und die Band hatte uns tatsächlich ein „Kleid aus Rosen“ mitgebracht. Hmmmmm, wirklich wunderschön, diese Akustik, wenn das ganze Publikum mitsingt.

Insgesamt bin ich mir bei der Reihenfolge der Lieder mal wieder überhaupt nicht sicher. Ich weiß noch nichtmal mehr, welches die Zugabe war. Aber gespielt haben sie : “Alle, psalite cum luya“, „Mephisto“, „Arche“, „Sag dem Teufel“, „Abgesang“, „Maria“, „Unterm Galgen“ (endlich hab ich es mal live gehört), „Liebeszauber“, „Minne“, „Ohne Liebe“, „Element des Verbrechens“, „Schlaflied“ und „Traum vom Tod II“ (manche Lieder drängen sich auf, für ein Unplugged Konzert).

Nebenbei haben sie uns das BuchBuch (kein Tippfehler) vorgestellt, in dem sämtliche Subway Texte gesammelt sind. Darin haben sie ein uraltes Lied gefunden, das einen fürchterlich sexistischen Text hat, aber sie haben es trotzdem, teils unter großen Qualen vorgetragen: „Die Braut & Der Bräutigam“. Vor „Sanctus“ haben sie extra ihre Gesangsbücher hervorgeholt. „Wir haben hier so einiges gut zu machen.“ ;) Der mehrstimmige Choralgesang war astrein vorgetragen, da kam mal wieder richtiges Gänsehautfeeling auf.

Zum Abschluss des Hauptteils gab es traditionell „Carrickfergus“ und ich kann nur jedem empfehlen mal in die Version der Dubliners reinzuhören. Ist schon lustig, wie unterschiedlich man dieses Lied spielen kann. :D

Welches von den oben genannten Liedern nun die erste Zugabe bildeten weiß ich wie gesagt nicht mehr, aber als zweite Zugabe hat Eric seinen Dudelsack ausgepackt und „Julia und die Räuber“ wurde mal wieder gemeinsam zelebriert. Schon seltsam, was diese Kirche an jenem Abend zu hören bekam. Räuber saufen Blut, Henker träumen vom Tod, Marie wird von ihrem Liebsten erschlagen und Mephisto erklärt sich selbst zum Meister. Na ja, die Bibel ist auch nicht immer friedlich und die Harmonie und das Gemeinschaftsgefühl unter den Menschen waren am Ende doch viel bedeutender als ein paar derbe Texte.

Die dritte und letzte Zugabe klang zunächst nach „Herrin des Feuers“ wurde aber dann zum „Feuerkind“. Sehr schön, schon wieder Gänsehaut und beim abschließenden „Seemannslied“ blieb sie mir auch noch ein Weilchen erhalten.

Was soll ich sagen? Ein wunderwunderwunderschönes Konzert. Die Location war erstklassig für diesen Anlass. Die Songauswahl war wirklich das beste aus 10 Jahren. Etwas verwundert war ich lediglich, dass kein einziges Lied von der „Engelskrieger“ gespielt wurde. Auch da hätte es noch ein paar schöne Lieder gegeben. Unplugged haben eigentlich alle Lieder wunderbar funktioniert. Anders als zum Beispiel „Die Toten Hosen“ haben die Subways die Lieder aber größtenteils unverändert gelassen und lediglich die Instrumente gewechselt. Viele Lieder waren ja auch von Natur aus bereits ohne Strom spielbar. Ich freu mich auf jeden Fall schon auf die DVD, die im November erscheinen soll.

Ach ja, noch ein kleiner Nachtrag: Auf dem Rückweg zum Auto ist mir zwischenzeitlich mein neu erworbenes T-Shirt entfallen. Nochmal vielen Dank an die ehrliche Finderin, die es für mich aufgehoben und es mir zurück gegeben hat. :)

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